2-tägige Rundwanderung im Alpstein

besucht Ende Mai 2018

Herrchen packt mein Futter in seinen Wanderrucksack? Das ist ja was ganz Neues. Ich begreife schnell, was das zu bedeuten hat. Wir bleiben weg über Nacht. Und ich nehme mal an, wir werden zu Fuss unterwegs sein. Genau so ist es, bestätigen mir Herrchen und Frauchen, die meine fragenden Blicke zu lesen scheinen.

Wieder darf ich eine neue Ecke der Schweiz kennenlernen. Aber diesmal ist es nicht nur für mich Neuland, sondern auch für meine Menschen. Wir fahren in die Appenzeller Alpen, ins Alpsteingebiet.

Ich freue mich ja so auf die beiden Wandertage!

Tag 1: Faszination Seealpsee

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist die Talstation der Luftseilbahn Ebenalp in Wasserauen. Auf einem gleich ziemlich kräftig ansteigenden Waldweg gelangen wir durch das Hüttentobel und vorbei an den Gasthäusern Forelle und Seealpsee schon bald zum malerischen Seealpsee. Bei diesem Anblick wird sofort klar, warum der Seealpsee zu einem der beliebtesten Ausflugszielen und Fotomotiven in der Schweiz zählt. Auch mein Herrchen packt natürlich sofort die Kamera aus. Und wie immer muss auch ich mitunter als Fotomodell herhalten. Als wäre die Natur hier im Alpstein nicht schon schön genug. Aber es stimmt schon, die Szenerie ist ja auch wirklich unglaublich hinreissend. Diese idyllische Lage inmitten von Bergen und Felswänden, und dieses saubere, klare Wasser. Habe ich grad Wasser gesagt? Nichts wie rein! Am um den ganzen See herum führenden Uferweg habe ich immer wieder die Möglichkeit, meine Pfötchen ins Wasser zu tauchen, mich abzukühlen, zu plantschen und um einen kräftigen Schluck zu trinken.

Diese Kulisse muss man einfach einen ruhigen Moment lang geniessen.
Verständlich, dass der Seealpsee weltbekannt ist.

Meglisalp  – Liebe auf den ersten Blick

Nach einer ¾ Umrundung des Seealpsees biegen wir ab auf einen steilen Aufstieg. Huh, wenn ich da rechts runter sehe, geht’s schon ganz schön nach unten. Aber kein Problem für uns. Der an den Fels geschmiegte Weg ist immer wieder mit Drahtseilen gesichert, so dass sich Herrchen nötigenfalls halten könnte. Wir gewinnen sehr schnell an Höhe, und erreichen schon bald via Unterstrich und Kreuzböhl unser heutiges Tagesziel, die Meglisalp. Herrchen und Frauchen sind gerade kurz einen Moment sprachlos. Sie sind unglaublich angetan vom Anblick, der sich uns eröffnet, als wir über die letzte Kuppe schreiten und die Meglisalp erblicken. Diese ist keineswegs ‘nur’ eine einfache Alp, wie dies der Name etwa vermuten lassen könnte. Nein, vielmehr ist die Meglisalp ein total malerisches, idyllisches Sennendörfli mit einer kleinen Anzahl von verstreuten Alphüttchen, inmitten derer unübersehbar eine steinerne Kapelle trohnt. Und dies alles mitten im Alpstein!

Schnell gewinnen wir an Höhenmetern, ganz schön steil hier.
Unser erstes Ziel im Alpstein: Berggasthaus Meglisalp.
Rund um uns herum nichts als Berge und nochmals Berge.
Die Aussicht aus unserem Zimmer ist einfach fantastisch.
Unser heimeliges Zuhause für heute Nacht.

Ein Ort zum sich richtig Wohlfühlen

Wir beziehen unser heimeliges Doppelzimmer im Berggasthaus Meglisalp, in welchem gar eine extra Decke für mich bereit liegt. Das ist ja ein schöner Empfang. Bis zum Abendessen geht’s nun noch ein Weilchen, und weil ich ja noch nicht rumliegen mag, folgen wir dem Tipp des unglaublich netten Personals. Wir laufen ein kleines Stückchen den Berg hoch, dem Wanderweg Richtung Rotsteinpass folgend. Schon bald gelangen wir zu einem kleinen, absolut idyllischen Bergsee mit Wasser, das kaum klarer sein könnte. Uns wurde nicht zu viel versprochen, hier fühlt man sich mit der Natur noch eins. Immer wieder höre ich so laute Pfiffe…aber diese Murmeltierchen wollen sich mir einfach nicht zeigen, so sehr ich mich auch anstrenge und nach ihnen Ausschau halte.

Irgendwo müssen die Murmeltiere doch sein…
Ruhe und Idylle pur am kleinen Bergsee.

Selbstverständlich lassen es sich Herrchen und Frauchen nach dem superleckeren, währschaften Abendessen nicht entgehen, vom hauseigenen Meglisalp-Whisky zu kosten. Denn die Meglisalp ist eines der am Appenzeller Whiskytrek teilnehmenden Gasthäuser. Ich glaube sogar, sie schmieden bereits Pläne für diesen Whiskytrek…Auf unserer kleinen Abend- und Verdauungsrunde zu später Stunde geniessen wir alle drei die verträumte Stille, die grossartige Ruhe auf der Meglisalp, weitab vom alltäglichen Treiben, umgeben von Bergen und Natur. Es gibt doch nichts Schöneres, als klare, frische Alpenluft zu atmen. Herrchen und Frauchen sind überzeugt, irgendwo noch den Geist des beliebten Senns Meggelin, der gemäss einer alten Sage der Meglisalp ihren Namen verlieh, zu spüren…

Abendstimmung im Alpstein.
Abends hört man nichts ausser seinem eigenen Atemzug.
Wir können die Kulisse nicht oft genug bewundern.
Gute Nacht – schon bald fallen wir alle müde in den Schlaf.

Tag 2: Ich bin ready, ich will mehr sehen vom Alpstein

 Guten Moooorgen, ich habe tief und fest geschlafen und fühle mich prima erholt. Aber das muss ich heute auch sein. Während meine Menschen sich bei einem leckeren Frühstück stärken, mache ich noch ein letztes Nickerchen. Dieses kann nicht schaden, denn gleich am frühen Morgen starten wir mit einem schweisstreibenden Aufstieg. Aber ich bin so voller Energie, diese rund 300 Höhenmeter mache ich locker. Oben auf der Grathöhe angekommen, erwartet uns eine fantastische Rundsicht auf die höchsten Berge des Alpsteins, bis hin zum Säntis mit dem markanten Sendeturm. Herrchen ist total verschwitzt. Aber ganz ehrlich, ich glaube nicht nur wegen der Anstrengung, sondern auch wegen des Adrenalins. Als er nämlich sieht, wie der Weg sich fortsetzt, wird ihm schon ein bisschen Angst und Bange. Nicht weil er es nicht könnte. Vielmehr weiss er nicht so recht, wie ich das meistern werde. Ich spüre, wie ihm der Puls in den Adern schlägt. Frauchen sagt auch nicht mehr viel. Sie vertraut einfach darauf, dass Herrchen und ich das schon gut machen werden.

Was für ein Ausblick von der Grathöhe!

Eine Challenge wartet auf uns

Im Zickzack geht es steil rund 250 Höhenmeter auf einem mit Drahtseilen gesicherten, schmalen Felsweg durch die Ageteplatte hinunter. Der wohl steilste und anspruchsvollste Teil der Tour, finden Herrchen und Frauchen, nicht zuletzt, da auch noch einzelne Schneefelder zu queren sind. Naja, ruppig war’s schon etwas, aber ich finde, ich hab das ganz gut gemeistert. Ich habe immer schön gewartet, wenn Herrchen das verlangt hat. Ich hab mich auch ganz sicher gefühlt in meinem neuen Wandergeschirr von Ruffwear, Herrchen hat mich zwischendurch auch am Griff gehalten, also wirklich, passieren konnte da nichts. Sogar im Schnee habe ich mich beherrschen können. Aber ich hab schon Verständnis für meine Menschen, es war ja das erste Mal, dass ich so etwas mache. Ich glaube, sie sind wahnsinnig zufrieden mit mir. Dennoch sind wir natürlich alle froh, dass wir diesen Abstieg zum Berggasthaus Mesmer so gut gemeistert haben, von nun an geht’s auch schon wieder aufwärts.

Phu, fast haben wir die Talsohle erreicht.
Ein Blick zurück: Diese Felswand links sind wir wirklich runter gekommen?

Eine weitere Challenge ersparen wir uns aber

Immer mit einem schönen Ausblick hinweg über den Seealpsee geht es via Chessi zum Steckenberg. Da merke ich plötzlich, wie Herrchen und Frauchen immer etwas langsamer werden, immer wieder stehen bleiben, in die gleiche Richtung gucken und angeregt diskutieren. Worum es da gehen mag? Ah jetzt erkenne ich es auch. In weiter Ferne, kurz unterhalb vom Schäfler, scheint es auf dem weiterführenden Wanderweg eine etwas heiklere Passage zu geben. Also nicht für meine Menschen, aber wahrscheinlich für mich. Denken sie zumindest. Ich kann’s ja nicht beurteilen, ich habe ja noch nie zuvor so eine steile Stelle mit Metalltritten passiert. Jedenfalls erachten sie es als vernünftiger, mich noch etwas Wandererfahrung sammeln zu lassen, ehe wir solche Stellen austesten. So entscheiden wir uns, den zwar um ‘eine Etage tiefer’ verlaufenden, aber nicht minder schönen Weg via Alpwirtschaft Altenalp als Zugang zur Ebenalp zu wählen. Finde ich auch ganz gut, hier kann ich nämlich frei laufen, und dies ganz in Sicherheit.

Ab dem Berggasthaus Mesmer geht es etwas gemächlicher vorwärts.
Immer im Blickfeld: Der Seealpsee.
Der Alpstein: ein unglaublich schönes, aussichtsreiches Wandergebiet.
Alpwirtschaft Altenalp, auch hier bekommt man eine Erfrischung.
Kurz vor dem heutigen Ziel, der Ebenalp.

Erfrischender Abschluss auf der Ebenalp

Das Berggasthaus Ebenalp ist für uns alle eine willkommene Gelegenheit, zum Abschluss der Wanderung nochmals einzukehren. Diesen grossen Napf voll frischem Wasser habe ich mir jetzt wahrlich verdient! Bevor wir mit der Luftseilbahn an unseren Ausgangsort Wasserauen hinunter gondeln, mache ich es mir unter dem Tisch gemütlich, während Herrchen und Frauchen die wunderbare Aussicht auf den gegenüberliegenden Hohen Kasten und Staubern geniessen und die unzähligen Gleitschirme am Himmel bestaunen. Klar, man könnte auch hinunter laufen. Aber Herrchen und Frauchen finden, für’s Erste sei’s genug für mich. Also wenn die wüssten…

Also ich würde schon noch ein wenig weiter mögen…

Von der Bergstation kann man übrigens einen 20-minütigen Abstecher zum bekannten Wildkirchli mit seinen prähistorischen Höhlen und zum Berggasthaus Äscher unternehmen. Dieses ist so spektakulär an die Felswand gebaut, dass es heutzutage unzählige Touristen aus aller Welt anzieht. Und genau darum verzichten wir heute, an einem Samstag, auf diesen Abstecher. Herrchen und Frauchen finden, dass wir uns das dann lieber an einem ruhigeren Tag mal anschauen, denn das letzte Mal seien wir bestimmt nicht hier gewesen. Das tönt doch gut, nicht wahr?

 

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Fellnasen-Fazit:
So eine Zwei-Tages-Tour macht Lust auf mehr! Wandern mag ich ja ohnehin. Und dann zusätzlich die Nacht in den Bergen verbringen, spätabends und frühmorgens diese frische, klare Bergluft einatmen und gefühlt die ganze Bergwelt für mich alleine haben. Wann es wohl auf die nächste Tour geht? Gewiss könnte man diese Wanderung auch an einem Tag unternehmen. Aber es ging ja gerade darum, in den Bergen zu übernachten, und mich ins mehrtägige Wandern einzuführen. Ich finde, perfekt gelungen!
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Beschreibung kompakt

  • Ausgangspunkt: Wasserauen, Talstation Luftseilbahn Ebenalp
  • Endpunkt: Wasserauen, Talstation Luftseilbahn Ebenalp
  • Eckpunkte: Wasserauen – Seealpsee – Meglisalp – Ageteplatte – Mesmer – Ebenalp
  • Höhendifferenz: Wasserauen – Meglisalp, ca. 750 Hm / Meglisalp – Ebenalp, ca. 800 Hm
  • Distanz: Wasserauen – Meglisalp, ca. 8 km / Meglisalp – Ebenalp, ca. 10 km
  • Verpflegung: Berggasthäuser Alpenrose, Wasserauen / Forelle, Seealpsee / Seealpsee / Meglisalp / Mesmer / Ebenalp
  • Unterkunft: Berggasthaus Meglisalp
  • Anforderung: gute Ausrüstung, insbesondere gute Schuhe notwendig, T2-T3

Nützliche Links:

Berggasthaus Meglisalp
http://www.meglisalp.ch/home.html

Luftseilbahn Ebenalp, Fahrplan und Preise
https://www.ebenalp.ch/luftseilbahn/allgemeines

 

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